Viktor Ullmann - Der Kaiser von Atlantis
Zu einem der eindringlichsten Werke des 20. Jahrhunderts zählt die einaktige Kammeroper Der Kaiser von Atlantis, welche 1942-1943 im Konzentrationslager Theresienstadt entstand. Der Komponist Viktor Ullmann und der Librettist Peter Kein, beide Häftlinge in Theresienstadt, erzählen darin die Parabel eines Herrschers, der zum ‘Krieg aller gegen alle’ ausruft, bis der Tod sich selbst widersetzt und in Streik tritt. Plötzlich kann niemand mehr sterben, dem Kaiser droht der komplette Machtverlust. Nur wenn er selbst zu sterben bereit wäre, würde der Tod seinen Dienst wieder aufnehmen. Geprobt wurde das Werk im Lager, zur Aufführung kam es damals selbstredend nicht, beide Künstler wurden 1944 in Auschwitz ermordet. In seiner Partitur vereint Ullmann klassische und populäre Stile zu einer faszinierenden Klangsprache, die an Kurt Weills Kabarettmusik oder an eine frühe Phase Arnold Schönbergs erinnert. Mit überdreht traurigem Humor, musikalischer Schwerelosigkeit, tänzerischen Rhythmen und bekannten Melodien ist mit diesem Werk ein eindringliches Beispiel für Mut und Widerstand in Zeiten grösster Dunkelheit hinterlassen worden. Ein erschütternd-zeitloses Zeitdokument gegen Kriegstreiber und Despotismus schlechthin, welches in dieser laufenden Saison sicherlich auch mit einem Blick auf aktuelle Geschehnisse weltweit am Grand Théatre de Genève programmiert worden ist: Am 14.03. und am 15.03. auf der Bühne der Comédie de Genève mit dem Ensemble Contrechamps unter der Leitung von Marc Hajjar.