Paul Hindemith - Cardillac
Wer bei Cardillac Schmuckstücke erwirbt, lebt gefährlich. So sehr hängt der passionierte Goldschmied an seinen selbst gestalteten und geschaffenen Preziosen, ja geradezu besessen ist er von ihnen, dass er nach dem Verkauf alles daran setzt, die Kunstwerke wieder zurückzubekommen, auch wenn dafür das eine oder andere Menschenleben geopfert werden muss. Paul Hindemith und sein Librettist Ferdinand Lion griffen für ihre Oper Cardillac auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“ zurück, in welcher ein Kriminalfall in Form einer psychopathologischen Studie beleuchtet wird und von Versuchung, Sucht, Gier und Künstlertum handelt. Hindemith hat diesen Plot in sein Werk, das 1926 uraufgeführt wurde, in drei Akte komprimiert, mit knapp zwei Stunden ist Cardillac damit eine eher kurze, aber auch kurzweilig gehaltene Oper. Stilistisch kann Cardillac dem neobarocken Stil zugeordnet werden: Das Orchester ist klein besetzt, die Pantomime am Ende des ersten Akts ist als Concertino für zwei Flöten angelegt, das Duett von Cardillac und seiner Tochter als Fuge. Die Musik ist mitreissend, sehr klangvoll und nicht wirklich sperrig, was man vom Libretto nicht unbedingt behaupten kann. Diese beiden Ebenen in einer Inszenierung überzeugend und verständlich auf die Bühne zu bringen ist eine Herausforderung, welcher man sich nun in dieser Saison am Opernhaus Zürich gestellt hat, nach wie vor stellt. Die viel umjubelte Première ist bereits am 15.02. über die Bühne gegangen, zahlreiche Folgeaufführungen sind bis in den März hinein angesetzt. Geboten wird ein unterhaltsamer Psychokrimi selbstverständlich auf höchstem künstlerischen Niveau mit dem Orchester der Oper Zürich unter der Leitung von Fabio Luisi in einer Inszenierung von Kornél Mundruczó.