Jörg Widmann - Viola Concerto

Ob als Klarinettist oder als Komponist – Jörg Widmann weiss dank seiner bemerkenswerten Originalität und Kreativität zu überzeugen, unermüdlich setzt er sich mit neuen Ideen und Ansätzen auseinander. Diese sind auch auf eine höchst fantasievolle Art und Weise in den Kompositionsprozess seines 2015 fertiggestellten Violakonzertes eingeflossen. Das Werk verlangt nicht nur dem Solisten, sondern auch dem Orchester ungewöhnliche Spieltechniken ab und verbindet unterschiedliche Ideen auf unkonventionelle Weise. Die erforderlichen Klänge werden in der Partitur durch neue Symbole und zusätzliche Anweisungen dargestellt, die Musik spannt eine emotionale Abfolge von Wut bis Trauer und reicht von krachenden Dissonanzen über schwebende Viola-Linien. Es wirkt, als schwebe die Musik zwischen zwei getrennten Welten, mal ist die Sprache überraschend experimentell und komplex, mal ist sie romantisch und lyrisch. Ein Werk aber auch, welches man sich nicht nur unbedingt an-, sondern auch ansehen sollte, denn der erste der fünf Sätze ist quasi als eine Art Konzertsaal-Szene angelegt, in welcher der Solist sich seinen Weg durch das Orchester physisch erobern muss und mit diesem einen kleinen Wettstreit austrägt. Doch selbst wenn diese visuelle Dimension fehlt, so besticht Widmanns Bratschenkonzert allein schon durch seine riesige musikalische Ausdruckspalette sowie den mitreissende Klangwelten. Erwarten darf man ein ungewöhnliches, frisches und einzigartiges Konzerterlebnis auch am 03.06.und am 04.06. in Genf mit dem Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Daniel Harding, an der Bratsche kein geringerer als Antoine Tamestit, welchem das Werk gewidmet ist.

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