Arvo Pärt - Fratres

Die Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt ist, um einen Vergleich herzustellen, das genaue Gegenteil der Barockmusik. Während die Ästhetik des Barocks Komplexität, Bewegung, Expressivität und Virtuosität hervorhebt, pflegt Pärt einen strengen tonalen Stil, den er „Tintinnabuli-Stil“ nennt - also das Komponieren auf der Basis von nur zwei Melodielinien - und der von mittelalterlichen Gesängen und der Polyphonie der Renaissance inspiriert ist. Die Basis seiner Musik liegt in der Reduktion, und wer seine inzwischen Kultstatus erlangten Kompositionen kennt, weiss, was damit gemeint ist: Litaneiartige Wiederholungen von Grundformeln, äusserst reduzierte harmonische Entwicklungen, eine Musik voller Statik, die jedoch gerade in ihrem Understatement eine beeindruckende Intensität entfaltet. In Pärts eigenem „Tintinnabuli”-Stil komponiert, ermöglicht Fratres unterschiedliche Besetzungsversionen, da es nicht an eine konkrete Klangfarbe gebunden ist. Obwohl er keine historischen Instrumente angegeben hat, ergänzen die Klarheit der Intonation und die Transparenz ihres Klangs die Transzendenz der schon beinahe hypnotisierenden Harmonie. Mittelalterlich und modern, zurückgezogen und weltenvereinend, eingentlich beinahe keine Musik und doch so viel mehr: Arvo Pärt zeigt in seinen Werken, wie komplex Einfachheit manchmal sein kann. Ein weiteres Mal zu hören ist dieses sehr oft aufgeführte Werk Fratres in der Fassung für Violine, Streichorchester und Schlagzeug am 04.07. in St. Gallen und am 05.07. in Wattwil  mit dem Ensemble 25 unter der Leitung von Hermann Ostendarp.

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